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Ab Mitte September beginnen in der NHL die Trainingscamps zur Vorbereitung auf die Saison 2021/22. Vom 16. August an nimmt NHL.com/de in der Serie 32 in 32 jedes Team der Liga genauer unter die Lupe. Die Bestandsaufnahme umfasst die wichtigsten personellen Veränderungen, die Schlüsselspieler, die Stärken und Schwächen sowie die Playoff-Chancen der Klubs.
In dieser Ausgabe: Seattle Kraken

1981 begann Ron Francis seine illustre Karriere in der NHL. Nach der Saison 2003/2004 beendete er seine aktive Laufbahn nach über 1.700 absolvierten Partien für die Hartford Whalers, Pittsburgh Penguins, Carolina Hurricanes und Toronto Maple Leafs. Mit den Penguins gewann er zweimal den Stanley Cup. Dreimal wurde er mit der Lady Bing Memorial Trophy und einmal mit der Selke Trophy ausgezeichnet. Doch jetzt, 40 Jahre nach seinem Eintritt in die beste Eishockeyliga der Welt, beginnt für den ehemaligen Center ein neues Kapitel.
Als General Manager führt er die 32. Franchise, die Seattle Kraken, in die NHL. Bei der Zusammenstellung des Kaders hat der ehemalige Stürmer besonderen Wert auf die Absicherung des eigenen Tores gelegt. Im Gegenzug sind in der Offensive noch ein paar Lücken. Doch die können im Lauf der Saison noch geschlossen werden.

Der Name des 32. NHL-Klubs ist enthüllt

Bilanz 2020/21: Keine; Expansionsteam; Pacific Division
Postseason 2021: -
Trainer: Dave Hakstol, erste Saison
Die wichtigsten Zugänge:G Philipp Grubauer, G Chris Driedger, D Mark Giordano, D Jamie Oleksiak, D Adam Larsson, D Vince Dunn, D Carson Soucy, D Haydn Fleury, F Jordan Eberle, F Jaden Schwartz, F Yanni Gourde, F Alexander Wennberg, F Calle Jarnkrok, F Joonas Donskoi
Abgänge: G Vitek Vanecek, D Kurtis MacDermid, F Tyler Pitlick
In Sachen Free Agent-Verpflichtung ist Francis in diesem Sommer der wohl größte Coup gelungen, der bei den Torhütern möglich war. Er schnappte sich Philipp Grubauer. Der Rosenheimer hatte in den vergangenen Jahren bei den Colorado Avalanche seine Position als Weltklassetowart untermauert. Diese Leistung erwarten nun auch Verantwortliche und Fans in Seattle vom Deutschen. Dafür erhält er in den kommenden sechs Spielzeiten insgesamt 34,5 Millionen US-Dollar.
Grubauer war in der abgelaufenen Saison einer der drei Finalisten bei der Verleihung der Vezina Trophy. Und er hat sich nicht nur für Seattle entschieden, weil die Stadt so schön oder das Klima im Nordwesten der USA so toll ist. "Als das Fenster zur Verpflichtung von Free Agents aufging hat sich Seattle bei mir gemeldet. Es gab für mich keinen Zweifel, dass ich mich einem Klub anschließe, der brandneu ist." Er wolle Geschichte schreiben wie die Vegas Golden Knights 2017. Selbstverständlich hat er auch den Stanley Cup noch nicht abgeschrieben.

Bleibt er verletzungsfrei und zeigt weiterhin so ansprechende Leistungen wie in Denver, dann ist Grubauer die klare Nummer eins in Seattle. Francis hatte nach eigener Aussage gar nicht erwartet, dass der Deutsche auf dem Markt verfügbar sei. Als das doch passierte, waren die Kraken sogar in der Position, Vitek Vanecek im Tausch für einen Draftpick wieder zurück nach Washington zu schicken.
Auch bei Grubauers Stellvertreter ist Francis kein Risiko eingegangen. Mit Chris Driedger hat er sich einen Backup für den Deutschen gesichert, der im Ernstfall auch den Job als Nummer eins ausfüllen kann.
Doch die Keeper haben auf dem Eis und auf der Bank während des Spiels nur begrenzt Einfluss. Also suchte Francis einen Anführer für die Truppe, der vom Rest respektiert wird und dessen Wort auf dem Eis und in der Umkleidekabine Gewicht hat. Fündig wurde Francis in Calgary. Die Flames gingen das Risiko ein und schützten Mark Giordano nicht im NHL Expansion Draft. Der Verteidiger war in den vergangenen acht Jahren Kapitän der Mannschaft. Jetzt soll er der Defensive des neuen Franchise Stabilität verleihen.
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Bei der Vorstellung der 30 Spieler, die Seattle im Expansion Draft auswählte, wurde Giordano schon umjubelt empfangen. "Wenn das so weitergeht, dann wird das ein ganz besonderer Ort, zu spielen", meinte er. Der Gewinner der Norris Trophy 2019 hat gute Chancen, der erste Kapitän in der Geschichte der Kraken zu werden. Man habe vom ersten Tag an die Chance, eine bestimmte Kultur zu etablieren, betonte Francis. Und Giordano sei mit Sicherheit einer der Spieler, die davon ein Teil werden sollen.
Bei der Zusammensetzung der Hintermannschaft ist der General Manager der Kraken auch auf den anderen Positionen ebenfalls kein Risiko eingegangen. Jamie Oleksiak, Adam Larsson, Vince Dunn, Haydn Fleury und Carson Soucy sind allesamt gestandene NHL-Verteidiger. Für den Rest der Liga werden die Kraken eine harte Nuss zu knacken sein.
Da aber auch für das neueste Mitglied der NHL-Familie der Salary Cap gilt, konnte auch Seattle bei den anderen Teams im Expansion Draft nicht einfach nach Lust und Laune shoppen gehen. Folglich müssen aktuell im Sturm noch ein paar Abstriche gemacht werden. Hier hat Francis mehr auf die Breite gesetzt. Jaden Schwartz, Jordan Eberle, Calle Jarnkrok, Alexander Wennberg, Yanni Gourde und Joonas Donskoi sind sicherlich gute NHL-Stürmer. Allerdings sind das nicht die großen Namen, die bei den Gegnern direkt Angst und Schrecken verbreiten. Hinzu kommt, dass Gourde, der in den vergangenen beiden Spielzeiten mit den Tampa Bay Lightning den Stanley Cup gewann, nach einer Schulteroperation wohl mindestens den ersten Monat der Saison 2021/2022 verpassen wird.

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Doch das muss alles nichts bedeuten. Was ein Expansion Team im ersten Jahr erreichen kann, haben die Golden Knights in der Saison 2017/18 mit einer ähnlichen Herangehensweise, was die Kaderzusammenstellung angeht, gezeigt. Irgendwann bekam das damals eine Eigendynamik. Vegas gewann die Pacific Division und wurde erst im Stanley Cup Finale von den Washington Capitals gestoppt. Seitdem gehören die Golden Knights zu den Teams, die regelmäßig beim Kampf um den Divisionstitel und den Einzug in die Playoffs ein gewichtiges Wörtchen mitreden. Das kann auch den Kraken gelingen, wenn die Mannschaft schnell zusammenfindet und sich die ersten Erfolge einstellen.
Sollten diese ausbleiben, hat Francis noch immer die Möglichkeit nachzubessern. Die Kraken haben aktuell noch gut acht Millionen US-Dollar unter dem Salary Cap frei. Und sollte sich der Erfolg nicht gleich in der ersten Saison einstellen, dann muss den Fans an der Pazifikküste trotzdem nicht bange sein. Francis hat als General Manager der Hurricanes gezeigt, dass er im NHL Draft ein gutes Näschen hat. Er hat unter anderem Stars wie Sebastian Aho, Martin Necas und Alex Nedeljkovic gedraftet. Auch die Verträge mit Jaccob Slavin und Brad Pesce hat er ausgehandelt. Genau dieses Gespür hat Francis in den vergangenen 40 Jahren in der NHL entwickelt. Und das wird er auch in Seattle einsetzen.