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Für alle Fans der Nashville Predators waren die vergangenen Monate keine leichte Zeit. Im Februar wurde etwas überraschend Stürmer Nino Niederreiter zu den Winnipeg Jets transferiert und damit ein kleiner Ausverkauf des Teams eingeleitet. Der langjährige und bisher einzige General Manager von Nashville David Poile (seit 1998/99) hatte sich zum Verkäufer erklärt, obwohl seine Predators durchaus noch berechtigte Hoffnungen hatten, die Stanley Cup Playoffs zu erreichen.

Am Ende der regulären Saison fehlten trotz der Abgänge (u.a. noch Verteidiger Mattias Ekholm zu den Edmonton Oilers) und Verletzungen nur drei Punkte auf die zweite Wildcard in der Western Conference. Die Mannschaft hatte Charakter gezeigt, wie es Kapitän Roman Josi in der Abschluss-Pressekonferenz verdeutlichte. In den vier Jahren zuvor waren sie aber stets in der ersten Runde ausgeschieden. Das Management meinte, es müsse eine neue Richtung eingeschlagen werden.

Bereits in dieser Phase im Frühjahr war klar, dass Poile altersbedingt sein Amt zur neuen Saison an Barry Trotz abgeben würde. Als Geschenk hatte der frühere Trainer und Stanley Cup Gewinner mit den Washington Capitals in 2018 rekordträchtige elf Züge in den sieben Runden beim NHL Draft 2023, der in diesem Jahr ausgerechnet in Nashville stattfand, bekommen.

Viele Fans fragten sich trotzdem, wo der Weg der Predators hingehen würde und wie lange ein Neuaufbau dauern würde. Erst recht, als am 24. Juni noch Center Ryan Johansen an die Colorado Avalanche abgegeben wurde und am Freitag Center Matt Duchene aus seinem noch vier Jahre laufenden Vertrag herausgekauft wurde. Das waren weitere schwere Eingriffe in das Team und belasteten die eigentlichen freudigen Tage als Gastgeber der NHL Awards und des NHL Draft.

Doch Trotz machte am ersten Tag der Free Agency klar, dass er sich nicht zu lange Zeit nehmen wolle, um in die Spitzengruppe zurückzukehren. Am Samstag nahmen sie Ryan O'Reilly, einen Top-Zwei-Wege-Center und vielleicht den besten freien Spieler auf dem Markt, für vier Jahre über 18 Millionen US-Dollar (4,5 Millionen Dollar durchschnittlicher Jahreswert) unter Vertrag.

"Das war ein entscheidender Faktor für uns", sagte der sich gerade neu im Amt befindliche General Manager Trotz. O'Reilly soll in seiner Vertragszeit das ermöglichen, was er mit St. Louis 2019 geschafft hatte. Den Stanley Cup erstmals in eine Stadt holen. Damals war er Kapitän der Blues und gewann zusätzlich die Conn Smythe Trophy für den wertvollsten Spieler der Playoffs. Ein Anführer und Leader also, woran er in Nashville mit dem ultimativen Ziel anknüpfen soll. Eine Botschaft, die die Fans von Nashville und deren Kapitän Josi gerne vernommen haben.

Das Fundament der Predators um Torhüter Juuse Saros und Josi in der Verteidigung wurde aber nicht nur um O'Reilly erweitert. Am Samstag wurden außerdem Stürmer Gustav Nyquist (zwei Jahre, 3,185 Millionen Dollar AAV) und Verteidiger Luke Schenn (drei Jahre, 2,75 Millionen Dollar AAV) verpflichtet. O'Reilly ist 32 Jahre alt. Nyquist und Schenn sind 33 Jahre alt.

Trotz sagte, es sei nicht seine Absicht gewesen, dem Kader seinen Stempel aufzudrücken.

"Meine Absicht war es, dieses Team wirklich gut zu machen, und zwar für eine lange Zeit", erklärte er. "Ich will nicht, dass ihr [nach Nashville] kommt, um euch zur Ruhe zu setzen. Ich möchte, dass ihr herkommt, um zu gewinnen."

In Nashville wird O'Reilly wahrscheinlich keine überragenden Offensivleistungen bringen, aber er wird mit vollem Einsatz spielen, Bullies gewinnen und ein Vorbild sein. Er kann dafür sorgen, dass Filip Forsberg sein volles Potenzial als Torjäger ausschöpft, und Luke Evangelista in seiner zweiten NHL-Saison richtig durchstartet, nachdem er in der letzten Saison schnell aufblühte.

"Auf welche Bereiche hat er keinen Einfluss?" sagte Trotz. "Er hat einen Einfluss auf die Offensivzone. Er hat einen Einfluss auf die Defensivzone. Er hat einen Einfluss auf den Face-off-Kreis. Er hat eine Wirkung in späten Spielsituationen, offensiv und defensiv. Die Leute folgen ihm. Die Leute tun die Dinge, die nicht immer einfach sind, um zu gewinnen. Er tut das auf dem ganzen Eis."

Trotz wehrte sich, als jemand O'Reillys Schnelligkeit in Frage stellte.

"Wenn es ein Rennen um den Puck gibt, ist er schnell", ließ Trotz wissen. "Man wird sehen, dass er den Puck findet. Er findet Wege. Man spielt schnell mit dem Kopf, nicht unbedingt mit den Beinen. Ich habe schon viele Spieler gehabt, die sehr, sehr schnell sind, aber nicht wirklich schnell spielen."

TOR@TBL, Sp3: O'Reilly trifft spät im 3.

Nyquist soll Tore schießen und Schenn wird Erfahrung mitbringen. Zusammen mit Predators-Verteidiger Ryan McDonagh hat er 2020 und 2021 mit den Tampa Bay Lightning den Stanley Cup gewonnen.

"Ich suche nach harten Spielern, die unsere Fähigkeiten unterstützen und unsere Jungen unterstützen, um ihnen den richtigen Weg zu zeigen und eine Kultur des Gewinnens Jahr für Jahr aufzubauen", sagte Trotz. "Das ist mein Ziel."

"Ich komme nicht zur Arbeit, um nicht zu versuchen, besser zu werden. Ich komme zur Arbeit, um Dinge zu verbessern. Wenn ich unser Eishockeyteam irgendwie verbessern kann, dann will ich das tun. Wenn ich die Effizienz unserer Organisation verbessern kann, möchte ich das tun. Ich bin auf der Suche nach Dingen, die uns besser machen, die uns auszeichnen."

Trotz trainierte die Predators in ihren ersten 15 Spielzeiten und baute sie auf. Von 2003 bis 2012 erreichten sie in acht Spielzeiten sieben Mal die K.o.-Phase. Allerdings kamen sie nie über die zweite Runde hinaus. Nachdem sie die Playoffs in zwei aufeinanderfolgenden Spielzeiten verpasst hatten, wurde er am 14. April 2014 entlassen.

Die Predators schafften es danach acht Mal in Folge in die Playoffs und erreichten 2017 zum ersten Mal das Stanley Cup Finale. Dort unterlagen sie jedoch den Pittsburgh Penguins in sechs Spielen und sind seitdem nicht über die zweite Runde hinausgekommen.

Jetzt will er die Predators als GM an die Spitze bringen, und das hat er von Anfang an klar gemacht.

"Dies ist ein großartiger Ort, um zu gewinnen", meinte Trotz. "Wir haben hier schon gewonnen. Sie waren acht Mal hintereinander in den Playoffs. Das ist nicht einfach. Es ist sehr schwer, nur die Playoffs zu erreichen. Aber dein Ziel kann nicht nur sein, die Playoffs zu erreichen. Dein Ziel muss es sein, den Stanley Cup zu gewinnen."